Bordeaux ist für mich die schönste Stadt Frankreichs. Nicht so mondän wie Paris, aber ebenso elegant, nicht so vollgepropft mit Sehenswürdigkeiten, dafür überschaubar, nicht so weitläufig, sondern gut zu Fuß zu erkunden. Einige Gründe, warum ich nochmal hin muss. Nr.1: das neue Weinmuseum.
Das Weinmuseum von Bordeaux, die cité du vin.

Amaury Devillard steht inmitten seines Weinbergs vor der Kulisse des Dorfes Mercurey im Herzen von Burgund. Engagiert legt der  Gutsherr dar, wie Klima und Boden, das Terroir, die Weine des Burgund prägen. Wie unterschiedlich, ja gegensätzlich, der Charakter von Weinen ausfällt, die im Burgund doch in enger Nachbarschaft heranwachsen, allein deshalb, weil der eine Stock auf losem weißem Kalk, der andere auf dunklem Tonboden wächst. Dass es Aufgabe der Winzer ist diesen Charakter zu pflegen, ihn im Keller herauszuarbeiten, ihn zu enthüllen, wie er sagt.

Amaury Devillard in den Weinbergen von Mercurey.

So engagiert und beredt habe ich Amaury Devillard in seinem Weingut Château de Chamirey kennengelernt, und so, die Worte lebhaft mit Gesten unterstreichend, präsentiert er sich auch auf dem Video, das im neuen Weinmuseum von Bordeaux, der „cité du vin“, vor mir abläuft.  Auf Armlänge von dem Franzosen entfernt, schildern nicht weniger traditionsbewusste Winzer aus der Toskana, aus Argentinien, von der Mosel, aus anderen Anbaugebieten Frankreichs, welche Geschichte der Weinbau in ihrer Region hat, wie sie neue Wege zu gehen versuchen, welche Rebsorten bei ihnen am besten gedeihen.

Einer der Winzer, die auf Video-Tafeln ihre Philosophie des Weinbaus erläutern, ist Thorsten Melsheimer,der in den Steillagen bei Reil an der Mosel, seine Bio-Rieslinge produziert.

Von der Mosel hat es Thorsten Melsheimer übernommen, die Schwierigkeiten des Weinbaus in den schwindelerregend steilen Lagen  über dem Fluss zu erläutern. Und warum seine Familie ganz auf die Erzeugung von Bioweinen setzt. Auf Knopfdruck an meinem Smartphone, das ich wie jeder andere Besucher bekommen haben, erscheinen und verschwinden sie, schauen stolz auf ihre Weinberge hinab, versuchen zu vermitteln, was die Arbeit an diesem Naturprodukt, das die Menschen seit mehr als 6000 Jahren schätzen, so faszinierend macht. Übersetzung inklusive, und das in acht Sprachen.

An diesen Rohren lassen sich die Düfte erschnüffeln, die sich auch im Wein finden, Mancher Kenner erlebt hier eine Überraschung.

Mein Smartphone ist ein echtes Wunderding. Das stumme Staunen vor Vitrinen mit ihren langatmigen Erläuterungen, so langweilig wie eine leer getrunkene Flasche – überwunden und vergessen. Das Spielerische hat gewonnen. Die Macher des Museums haben einen globalen Zugang zum Thema Wein gesucht und mit der digitalen Vernetzung einen Weg gefunden, wie man es individuell erforscht.  Lege ich die Hand auf die Umrisse des Dorfes Mercurey, ändern sich die Bilder, Fotos dokumentieren Bodenformationen und Anbaumethoden. In Schaukästen sind Szenen aus der Antike und anderen Epochen dargestellt, in denen es um Wein geht. Ein Klick, und ein daumennagelgroßer Dionysos setzt sich lachend und trinkend mit seinem lärmenden Gefolge in Bewegung. Besonders beeindruckend: das multimediale Sensorik-Studios.

Zum Weinbaumuseum gehört ein multimedialer Sensorik-Raum. Ein Duft wird eingeleitet, er muss erraten werden.

Natürlich nehmen Bordeaux und seine große Weingeschichte einen zentralen Platz in der „“cité du vin“ ein, die am Ufer der Garonne direkt an der Zufahrt zum alten Hafen errichtet wurde. Soviel Nationalismus muss denn doch sein. Schließlich sind die früheren Lagerhallen der Weinhändler, von denen aus über Jahrhunderte Lastkähne mit Wein in die Welt aufbrachen, nur wenige Hundert Meter entfernt.

Die Abendsonne spiegelt sich in der Fassade des Weinmuseums.

Das neue Museum soll das Herzstück eines neuen Stadtviertels rund um den alten Hafen werden, der Leuchtturm gewissermaßen, der die Touristen aus aller Welt anzieht. Und wer wollte seinem Glanz widerstehen? Glitzernd in Gelb, Türkis und Blautönen umhüllen Aluminiumplatten einen lang gestreckten Bau, der in einen fünfstöckigen Turm übergeht. Wer sich dem Gebäude auf einem Spaziergang von der Garonne her nähert, darf rätseln, was die Form symbolisieren soll. Eine Weinkaraffe, einen knotigen Rebstock, ein
Trinkhorn?

Die Fassade des Weinmuseums besteht aus farbigen Aluminiumplatten.

Wer nach den zwei bis drei Stunden, die er im Museum mit der Kultur des Weins verbracht hat, durstig geworden ist, der darf sich auf die Aussichtsterrasse im obersten Stock fahren lassen. Mit Blick auf die Garonne und den alten Hafen, darf er dann auch Wein probieren. Kostenlos. Denn das ist in der Eintrittskarte inklusive. Definitiv ein Grund, wieder hinzufahren.

Der Blick von der Cité du vin auf das Hafenviertel Bacalan in Bordeaux.

Zur Bildergalerie 

Mehr über das Weinbaumuseum findet ihr hier.

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