Der Hummer, eine imposante Schärenlandschaft Küste und der meist fotografierte Leuchtturm Kanadas locken die Touristen nach Nova Scotia, die kanadische Provinz am Atlantik.

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Auf Fels gebaut: der Leuchtturm von Peggy's Cove, angeblich der meistfotografierte der Welt.

Auf Fels gebaut: der Leuchtturm von Peggy’s Cove, angeblich der meistfotografierte der Welt.

Dave Hoskins fischt einen Riesen von einem Hummer aus dem Becken, einen Methusalem, dessen Scheren fest zusammengebunden sind. Auf 22 bis 25 Jahre schätzt er das Alter des grün schillernden Urviechs, das braun und orangefarben gesprenkelt ist. In dem exakt 37 Grad Fahrenheit kalten Wasser des Beckens – das sind etwa 2,8 Grad Celsius – wartet der Hummer mit Hunderten von anderen Tieren auf Käufer, die ihn verspeisen.

Dave Hoskins präsentiert einen Riesen-Hummer in seinem Laden nahe bei Peggy's Cove.

Dave Hoskins präsentiert einen Riesen-Hummer in seinem Laden nahe bei Peggy’s Cove.

An der Küste von Nova Scotia, nahe dem Touristenort Peggy’s Cove, etwa eine Stunde Autofahrt von Halifax entfernt, hat Dave Hoskins eine gute Adresse für sein Hummer-Geschäft gefunden. Immer wieder halten Autofahrer an, lassen sich die Tiere zeigen und kaufen eines oder zwei. Acht bis zehn kanadische Dollar kostet das Pfund, das sind sechs bis acht Euro, nach europäischen Maßstäben ist das sehr wenig.

Ungefähr zwischen acht und zehn kanadische Dollar kostet ein Pfund Hummer, das sind sechs bis acht Euro, ein Spottpreis nach europäischen Maßstäben.

Ungefähr zwischen acht und zehn kanadische Dollar kostet ein Pfund Hummer, das sind sechs bis acht Euro, ein Spottpreis nach europäischen Maßstäben.

Der Hunger nach dem süßlich schmeckenden festen Fleisch mit der dezenten Fisch-Note ist groß. „Allein 20 bis 25 Tonnen exportieren wir wöchentlich ins ferne Holland“, sagt Dave. Jeden Tag nimmt das Unternehmen, für das er arbeitet, den Fischern der Region 5000 Kilo Hummer ab. Der Nachschub geht nie aus. In Nova Scotia beginnt die Saison im November, und sie endet Ende Mai. Doch irgendwo in Kanada wird immer Hummer gefangen, erzählt Dave, es gibt 47 unterschiedliche Fangzeiten. Kein Wunder also, dass es in Daves Fischbecken so lebhaft zugeht wie in einem Ameisenhaufen.

In der letzten Eiszeit sind die Felsen am Meer glatt geschliffen worden.

In der letzten Eiszeit sind die Felsen am Meer glatt geschliffen worden.

Der Hummer und die imposante Schärenlandschaft entlang der Küsten Neuschottlands locken die Touristen. Wer sich von Halifax auf den Weg macht, passiert zahllose Buchten mit Holzhäusern, Halbinseln, vorgelagerten braun-gelben Felsen und Booten an kleinen Anlegestellen. Wo der Wald kurz vor der Küste des Atlantiks endet, beginnt eine karge Felslandschaft mit Riesen-Findlingen. In Wellen scheinen sich die Felsen auf das Meer hin zu bewegen. Sie sind ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, geschoben und geglättet von den Eismassen.

Der Hummerfang ist neben dem Tourismus die wichtigste Einnahmequelle von Peggy's Cove.

Der Hummerfang ist neben dem Tourismus die wichtigste Einnahmequelle von Peggy’s Cove.

In dieser Landschaft von wildem Charme setzen sie die große Attraktion der Gegend in Szene, den Leuchtturm von Peggy’s Cove. Er scheint in einer Wüste aus halbrunden Steinblöcken zu stehen, ein weißer Riese mit rotem Käppchen. 160 solcher Bauwerke gibt es an der Südküste von Nova Scotia, der von Peggy‘s Cove ist sogar „der meistfotografierte der Welt“. Das behauptet zumindest Pam Wamback vom Touristenbüro der Provinz stolz.

Weißer Riese mit rotem Käppchen, der Leuchtturm von Peggy's Cove aus der Nähe.

Weißer Riese mit rotem Käppchen, der Leuchtturm von Peggy’s Cove aus der Nähe.

Wer ihn über den steil zum Meer hin abfallenden Felsen ragen sieht, der möchte es gerne glauben. Schräge, zusammengezimmerte Holzhütten, triefende Taue in den Booten, gelbe, rote, blaue Bojen, übereinandergestapelte Hummer-Fallen, das alles vor der Kulisse des tief blau-grauen Meeres und eines klaren Himmels – es ist kein Wunder, dass Peggy‘s Cove mit seinen gerade einmal 67 Einwohnern Jahr für Jahr unzählige Neugierige anzieht, die mit der Kamera immer neue Blickwinkel auf den Leuchtturm suchen. Nova Scotia hat 13 000 Kilometer Küstenlinie und es gibt Hunderte solcher Gemeinden wie Peggy‘s Cove, betont Pam.

Gerade einmal 67 Menschen wohnen in dem kleinen Ort an der Atlantikküste.

Gerade einmal 67 Menschen wohnen in dem kleinen Ort an der Atlantikküste.

Am Abend bereitet Steve, Daves Kollege, einige Hummer zu. Der erste Hunger ist bereits mit frischen Austern gestillt, zubereitet mit Meersalz, Wodka und einer scharfen Chilisauce. Die Tische sind an einer Wiese über dem Meer gedeckt, am Strand brennt ein Lagerfeuer.

Erst frisch gekocht erhält der Hummer seine charakteristische rote Farbe.

Erst frisch gekocht erhält der Hummer seine charakteristische rote Farbe.

Nur ein wenig zerlassene Butter und ein Salat mit kleinen ungeschälten Kartoffeln bilden die Beilage, dazu einer der frischen, leicht süßlichen Weine, die Nova Scotia zu bieten hat, und der Tag an der Küste könnte nicht schöner enden. Mit den letzten Sonnenstrahlen hebt sich ein Leuchtturm auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht klar gegen den Wald ab.

Die letzten Sonnenstrahlen über der Bucht. Schöner könnte der Abend nicht enden.

Die letzten Sonnenstrahlen über der Bucht. Schöner könnte der Abend nicht enden.

Arme-Leute-Essen

Hummer war in früheren Zeiten ein Arme-Leute-Essen. In den Gefängnissen des Landes war es verboten, in mehr als drei Mal die Woche auf den Tisch zu bringen. Frisch zubereitet kann man die Krustentiere heute in vielen Restaurants bestellen, nach europäischen Maßstäben zu sehr vernünftigen Preise. Auch als Burger wird Hummer serviert. Und sogar ein Hummer-Bier, hergestellt von einer der zahllosen Mikro-Brauereien der Region, macht die Runde, ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

Wie isst man einen Hummer?

Und jetzt, fragt sich mancher hungrige Gast, wenn der im Ganzen zubereitete Hummer mit der harten Schale vor ihm auf dem Teller liegt? Angst, sich die Finger schmutzig zu machen, sollte man nicht haben. Mit einer speziellen Zange lassen sich die Scheren knacken, das weiße Fleisch lässt sich danach leicht mit einer Gabel lösen. Wer das Fleisch aus den Gelenken essen möchte, zieht es auf gleiche Weise hinaus. Die Beine kann man aussaugen. Danach bricht man den Hummerkörper mit den Händen auseinander. Im Schwanz gibt es nur wenig Essbares. Um an das Fleisch im oberen Teil zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man puhlt die Kruste rundherum ab. Oder man sticht mit der Gabel tief in die Unterseite und zieht das Fleisch in einem Stück heraus. Das gelingt, wenn der Hummer gut durchgekocht ist.

Unterkunft

Wer daran denkt, in Peggy’s Cove zu übernachten, sollte einen Blick auf das nahe Oceanstone Resort werfen. Die stilvoll eingerichteten Häuser und Suiten sind vor allem im Sommer nicht eben günstig. Dafür liegen sie direkt am Meer, der Hummer wird mit Blick auf die untergehende Sonne serviert. Und das Lagerfeuer am Strand verspricht einen unvergesslichen Abend.

www.oceanstoneresort.com

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