Bobby Lee führt das „Big Texan“, in Amarillo. Das Steakhaus ist in Texas und den USA so berühmt wie das Münchner Hofbräuhaus in Bayern und Deutschland.

 
Bobby Lee, Chef der "Big Texan Steak Ranch" in Amarillo, Texas.

Bobby Lee, Chef der „Big Texan Steak Ranch“ in Amarillo, Texas.

Bobby Lee sieht so gar nicht aus, wie ein Geschäftsmann, der ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern führt. Das abgewetzte Jeanshemd ist ihm viel zu weit. Die Baseballkappe, auch schon in die Jahre gekommen, hat der Texaner nach hinten geschoben, darunter zeigt sich ein gegerbtes, verschmitzt lächelndes Gesicht, das eher zu einem Rancher passt als zu einem Gastronomen.

 Mit Ranchern hat der Texaner, der vor kurzem 60 geworden ist, viel zu tun. Oder vielmehr mit ihren Erzeugnissen: Rindern. Mehr als 500.000 Steaks verfüttert Bobby Lee jährlich an seine Gäste. Sein „Big Texan Steak Ranch“ in Amarillo an der Interstate 40 Richtung Dallas ist für Texaner das, was das Hofbräuhaus für Bayern und ganz Deutschland ist, eine gastwirtschaftliche Institution: Wer in den Panhandle „in den Pfannenstiel“ im Norden von Texas kommt, der stattet dem Big Texan einen Besuch ab.

Zwei Delinquenten haben auf der Bühne des Big Texan Platz genommen. Die Uhr läuft. Eine Stunde haben sie Zeit, das Zwei-Kilo-Steak mit Beilagen zu verspeisen.

Zwei Delinquenten haben auf der Bühne des Big Texan Platz genommen. Die Uhr läuft. Eine Stunde haben sie Zeit, das Zwei-Kilo-Steak mit Beilagen zu verspeisen.

Steakhaus, Brauerei, Souvenirladen, Raststätte, Motel – das Big Texan ist alles in einem. Bobby Lees Vater hat es 1960 gegründet, erzählt Bobby. „Es ist schon immer hier gewesen“, sagt er. Damals lag das Restaurant noch direkt an der Route 66, der ersten durchgehend befestigten Straße vom Osten der USA in den Westen, nach Kalifornien. Als der Highway parallel dazu gebaut wurde, ging das Geschäft zurück, doch Bobby und sein Bruder Danny bauten es dennoch auf 600 Plätze aus. In zwei Etagen sitzen die Gäste zwischen Cowboy- und Jagdekorationen an einfachen Tischen, bestellen ihre Steaks, lassen sich von Country-Musikern am Tisch etwas vorspielen.

Auf zwei Etagen bietet das Big Texan Platz für 600 Gäste.

Auf zwei Etagen bietet das Big Texan Platz für 600 Gäste.

Während des Gesprächs rückt Bobby seinen Bierbecher mit einer Werbeaufschrift an den rechten Platz, als er merkt, dass eine Kamera gezückt wird. Schließlich soll nur jeder wissen, wofür das  „Big Texan“ so berühmt ist, was es „really big“ macht: Es ist „Home of the free 72 Onze Steak“. 72 Unzen wiegt das größte Steak, das man in diesem Haus bestellen kann, das sind umgerechnet mehr als zwei Kilogramm. Wer es schafft, diesen Brocken roten Fleisches innerhalb einer Stunde mitsamt Beilagen zu verspeisen, besser gesagt zu verschlingen, für den übernimmt Bobby die Rechnung.  „Jeden Tag versuchen es drei bis vier Leute“, sagt Lee, besteigen die Bühne direkt neben dem großen Grill und greifen zu Messer und Gabel, lassen sich begaffen und beklatschen, während über ihren Köpfen die Uhr abläuft.

Auffallen um jeden Preis. Die Fassade des Big Texan.

Auffallen um jeden Preis. Die Fassade des Big Texan.

 In ganz USA, in Neuseeland und Australien werden in Clubs, Vereinen und Freundeskreisen Wetten auf das Steak abgeschlossen, erzählt Bobby.  Nur einer von sechs Männern gelangt ans Ziel, doch jede zweite Frau schafft es. Das hat mit Psychologie zu tun, sagt Bobby. Die Frauen, die sich an das Monster-Steak heranwagen, „wollen es wirklich wissen“. Manche Männer dagegen haben sich vor Freunden wichtig gemacht und bereuen es schon, bevor sie die Bühne betreten. Nach 20 Minuten über dem Steak sagt der Magen, es sei genug. „Dann zögern sie“, sagt Bobby, und es zeigt sich, ob der Esser den toten Punkt überwindet. Der Rekord allerdings liegt bei wenigen Minuten. Für gründliches Kauen bleibt da keine Zeit.

Drei bis vier Delinquenten stellen sich jeden Tag der Herausforderung.  Gewinnen sollen sie möglichst alle, wünscht sich Bobby, auch wenn es ihn Geld kostet. „Denn das spricht sich herum und ist gut fürs Geschäft“, sagt er. Die Marke „Big Texan“ muss schließlich ihren Ruf behalten. Bobby ist eben doch ein richtiger Unternehmer. 

www.bigtexan.com

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