Der Wasserspiegel, miroir d’eau, ist seit 2006 die größte Attraktion der Stadt Bordeaux. Gegenüber dem Börsenplatz gelegen, dem wirtschaftlichen Zentrum der Stadt über Jahrhunderte, zieht das Spektakel täglich Tausende an.

Bescheidenheit ist nicht die Sache der Franzosen. Vor allem dann nicht, wenn es um öffentliche Architektur geht. Das beweist in Bordeaux nicht nur der gewagte Entwurf des neuen Weinmuseums. Der „miroir d´eau“ im Zentrum des historischen Bordeaux soll mit seinen rund 3500 Quadratmetern Fläche der größte der Welt sein. Mehrmals stündlich quillt das Wasser zwischen den schwarzen Granitplatten hervor und bildet darüber einen zwei Zentimeter hohen Film, in dem sich die Börse spiegelt und der Platz davor, aber auch der rege Verkehr auf der zentralen städtischen Verkehrsache entlang der Altstadt. Hier entlädt auch die Straßenbahn den Strom der Berufstätigen, Touristen und Neugierigen, die sich schon früh um die rechteckige Fläche drängen. Wer genau hinschaut, mag sich wundern, dass er keine Oberleitung erkennt. Die von Bürgermeister Allan Juppé gebaute Tram musste zwangsweise darauf verzichten, sondern wäre der Altstadt der Status als Unesco-Kulturerbe entzogen worden. Deshalb funktioniert sie wie ein Kochtopf auf der Induktionsplatte, Strom fließt erst, wenn die Tram ankommt. Wo gibt es das sonst noch?
Nach wenigen Minuten versickert das Wasser wieder zwischen den Ritzen der Granitplatten. Stattdesssen steigt hüfthoher Nebel hoch. Kinder spielen darin  Verstecken. Erwachsene wagen sich in die Pfützen vor, machen Selfies, fotografieren sich gegenseitig.
Die beste Zeit für Fotos ist der frühe Morgen, wenn die Sonne die Fassade der alten Börse anstrahlt. Aber auch Nachtaufnahmen haben ihren Reiz, denn der Wechsel aus Wasserspiegel und Nebel ist bis 22 Uhr zu bewundern. Für eine Nachtaufnahme hat die Zeit diesmal nicht gereicht. Definitiv also ein Grund wiederzukommen.